Kreativitätsforschung


Etablierte Kreativitätsforschung gibt es bisher leider fast nur in den USA. Einer der wichtigsten aktuellen Forscher und Netzwerker dort ist Prof.Dr.Mark Runco. Hier etwas von ihm mit Link zu Weiterem:

How do we systematically fulfill creative potentials?

Values represent an overarching influence on the fulfillment of creative potentials. If someone values creativity, they will look for it, invest in it, appreciate it, try to express it. If parents, teachers, supervisors at work (and culture as a whole) value creativity, they will model creative behavior and are likely to support and reward creative behavior and provide opportunities to express and develop it. One of the most powerful ways to fulfill creative potentials, then, is to insure that it is a part of value systems. Efforts to develop and express creativity will follow naturally from value systems.

Decisions are critical for fulfilling creative potentials—and here again, if people or organizations value creativity, they will make decisions that lead to creative behavior and creative thinking. This includes decisions about careers and choices about how to invest their time, but it also applies to thinking and decisions about what kinds of solutions to consider when faced with a problem (original ones, or solutions that are consistently more conventional and common rather than unconventional and novel?) and what kind of ideas to explore and express.


Kreative Felder, Menschen und Domänen

Der ungarisch-amerikanische Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi befragte ca. 100 kreative Persönlichkeiten und wertete diese Interviews aus. So fand er wichtige Rahmenbedingungen und Merkmale der Kreativität. Seine wichtigsten Ergebnisse: 

a) Kreativität entsteht aus drei Faktoren:

- Kreative Menschen

- Domänen der Kreativität stattfindet (Sprache, Kultur u.a.)  

- soziale Felder, die kreative Menschen fördern oder hindern.

b) folgende Persönlichkeitserkmale begünstigen Kreativität:

- Neugier und Interesse

- Aneignung kreativer Energie

- Kultivierung von Flow im Alltag

- regelmäßige Reflexion und Entspannung, 

- Offenheit und Erstaunen für kreative Probleme

- divergierendes bzw. paradoxes Denken

Quelle: Mihaly Csikszentmihalyi: Kreativität. Stuttgart 2010


Kreativität und Relaxation

From Vincent Van Gogh on through Kanye West ... creativity has little to do with angst. I found that the biggest breakthrough ideas often come from relaxation.

History shows that many famous inventors have come up with novel ideas while letting their minds wander. In 1881, for example, famed inventor Nikola Tesla had fallen seriously ill on a trip to Budapest. There, a college friend, Anthony Szigeti, took him on walks to help him recover. As they were watching the sunset on one of these walks, Tesla suddenly had an insight about rotating magnetic fields—which would in turn lead to the development of modern day’s alternating current electrical mechanism.

Research by University of California, Santa Barbara psychology professor Jonathan Schooler and his colleagues, for example, finds that people are more creative after they have been daydreaming or letting their minds wander. And in an article in the Annual Review of Psychology, Schooler and psychology professor Jonathan Smallwood found that when people learn a challenging task, they do better if they work first on an easy task that promotes mind-wandering, and then go back to the more difficult one. The idea is to balance linear thinking—which requires intense focus—with creative thinking, which is borne out of idleness. Switching between the two modes seems to be the optimal way to do good, inventive work.

Quelle: https://qz.com/978018/happiness-research-shows-the-biggest-obstacle-to-creativity-is-being-too-busy/


 

Primäre und Sekundäre Kreativität

Von Abraham Maslow stammt eine der wichtigsten Erkenntnisse zum kreativen Prozess: Der Unterschied von primärer und sekundärer Kreativität.

Primäre Kreativität ist eine Art transzendenter Bezug des Menschen zur Quelle des schöpferischen Seins, aus dem völlig neue Ideen, Perspektiven oder Produkte entstehen können.

Sekundäre Kreativität ist das Beherrschen von Wissen, Techniken und Methoden für konkrete Dinge oder Strukturen. Erst beides zusammen - primäre und sekundäre Kreativität - ermöglicht uns wirkliche Innovationen in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Sekundäre Kreativität wird in modernen Bildungssystemen mehr oder weniger gut entwickelt. Doch es gibt bisher wenig Wissen und Tools zur primären Kreativität und dessen Verbindung zur schöpferischen Quelle des Seins, die oft als Bewusstsein und Liebe beschrieben wird.

Der unten downloadbare Text von Abraham Maslow zeigt den Unterschied beider Kreativitätsebenen. 

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Originalauszüge des Maslow-Textes
Kreativität-Maslow (5).pdf
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Deutsche Langfassung des Textes von Abraham Maslow
Maslow - Primäre und sekundäre Kreativit
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Kreativitätsdispositiv

Der Kultursoziologe Andreas Reckwitz erforschte die seit ca. 1968 zu beobachtende Herausbildung einer stärkeren gesellschaftlichen Bedeutung von Kreativität: die Ausbildung eines ebenso heterogenen wie wirkungsmächtigen Kreativitätsdispositivs.  

Innerhalb des Kreativitätsdispositivs unterscheidet er vier dafür relevante Knotenpunkte positiver Motivationen

und Erregungszustände:

- die kreative Tätigkeit,

- das ästhetische Erleben,

- das Kreativsubjekt selbst und 

- kreative Räume. 

Quelle: Andreas Reckwitz: Die Erfindung der Kreativität. Zum Prozess gesellschaftlicher Ästhetisierung. Frankfurt am Main 2012


Kreativität und Kunst

Schon mit kleinen Mitteln kann kreative Inspiration im Alltag ermöglicht werden. Markus Väth, Psychologe, New Work - Vordenker und Buchautor, trug drei Prinzipien vor, die in Unternehmen kreative Kräfte wecken. Alle drei seien gleichzeitig leicht und schwer. Leicht, weil sie unmittelbar einleuchten. Schwer, weil sie längeres Wachsen und Üben brauchen.

- Erstens muss ein Unternehmen kreative Räume schaffen. Dabei meint „Raum“ tatsächlich den physischen Aspekt, aber auch den zeitlichen und finanziellen. Ein Unternehmen muss in die Kreativität der Organisation investieren wollen.

- Zweitens müssen sich für kreative Spannungen unterschiedliche Charaktere vernetzen. Nur aus verschiedenen Sichtweisen, Biographien und Kompetenzen heraus entsteht eine produktive Unsicherheit, ein kreativer Impuls, der tatsächlich neuartige Produkte und Dienstleistungen schaffen kann.

- Und drittens brauchen kreative Unternehmen eine Haltung der Neugier und Freude. Diese muss man entwickeln und immer wieder daran arbeiten.

http://www.art-coaching.info/wp-content/uploads/2016/04/PRESSEMITTEILUNG-zu-VA-bei-Zahoransky-am-9.3.17.pdf